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Statististische Versuchsplanung
in der pharmazeutischen Industrie
Die Methoden der statistischen Versuchsplanung können
gewinnbringend in vielen Bereichen der pharmazeutischen Industrie eingesetzt
werden.
Formulierungsentwicklung/Optimierung
Je avancierter eine pharmazeutische Formulierung
ist, desto mehr Teilprozesse sind zu ihrer Herstellung notwendig. Der Pharmazeut
steht vor der Aufgabe, in kurzer Zeit eine Vielzahl untereinander abhängiger
chemischer Varianten, Maschineneinstellungen oder Substanzmengen durchzutesten,
um die Formulierung mit den optimalen Eigenschaften zu finden. Die Faktoren,
also die "Stellräder" dieses Prozesses, sind bei einer Tablette z.B.
Ca-Phosphat/Lactose Verhältnis
Prozentualer Anteil Stärke (zur Disintegrationsförderung)
Menge Mg - Stearat (als Gleitmittel)
Menge Mikrokristalline Zellulose (als Binder)
Presskraft der Tablettierung
Art des Pressstempels
Temperatur
Feuchte
Die zu optimierenden Grössen
(Zielgrössen)
können sein:
Zerfallszeit
Wirkstofffreisetzungszeit
Bruchhärte
Porosität
Mittlerer Granulatpartikeldurchmesser
Schon wenn nur zwei Einstellungen für jeden der
8 Faktoren untersucht werden sollen (sog. Screening), ergäbe sich
ein Aufwand von 28 = 256 Versuchen. Bei drei Einstellungen je
Faktor ergäben sich 38 = 6561 Experimente.
Hieraus wird ersichtlich, dass ein blosses "trial
and error" nur sehr geringe Chancen hat, die optimalen Entwicklungsbedingungen
auch nur annähernd zu erreichen. Gerade unter den Bedingungen des
enormen Zeitdrucks bei der Entwicklung neuer Formulierungen kann zielgerichtete
Versuchsplanung enorme Potentiale freisetzen.
Methodenentwicklung und Validierung
Die Entwicklung der chemisch-analytischen Methoden
für ein neues pharmazeutisches Produkt ist ebenso wie die Formulierungsentwiklung
eine Kette von Optimierungsproblemen. Für die Methodenentwicklung
gibt es jedoch bereits sehr elaborierte Simulationssoftware (z.B. DryLab),
so dass eine praktisch unendliche Menge von Versuchsläufen schnell
durchgefahren werden können. Hier ist die Einsparung durch statistische
Versuchsplanung nicht sehr gross. Am Ende der Simulationsphase jedoch,
wenn es darum geht, die Selektivität und sichere Trennung des kritischen
Peakpaares etc. im Arbeitspunkt und die Robustheit gegenüber relevanten
Parameterschwankungen im realen Experiment aufzuweisen, sollte auf Methoden
der Versuchsplanung zurückgegriffen werden. Dasselbe gilt erst recht
für die Validierung der Methode, bei der die Vertrauensbereiche für
eine Vielzahl von Kenngrössen gewonnen werden müssen.
Planung von Haltbarkeitsuntersuchungen
Die behördliche Anforderung, die Haltbarkeitsdauer
eines pharmazeutischen Produkts mit einer hinreichenden statistischen Sicherheit
anzugeben und den Einfluss der relevanten Einflussfaktoren zuverlässig
abzuschätzen, erfordert einen hohen zeitlichen, logistischen und analytischen
Aufwand. Die ICH Guideline für Stabilitätsprüfungen erlaubt
Haltbarkeitsstudienplanung mit reduziertem Aufwand (sog. Matrixing und
Bracketing). Die Kunst der Versuchsplanung besteht darin, genügend
Messpunkte zu streichen, um eine spürbare Einsparung zu erreichen
und dennoch alle relevanten Effekte mit einer hinreichenden Präzision
individuell schätzen zu können. Hier stellen D - optimale Planfindungsalgorithmen
hervorragende Werkzeuge dar.
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